B2B-Kampagnen mit Connected TV
Wenn der Jobtitel auf dem Fernseher landet
Amazon Ads und LinkedIn verbinden berufliche Zielgruppendaten mit Streaming-TV-Inventar. Damit wird CTV für B2B-Kampagnen adressierbarer. Noch offen ist, wie gut sich Reichweite, Wirkung und spätere Geschäftssignale
Jens Vossvor 11 Tagen

Viele B2B-Kampagnen werden über Suchanzeigen, Social Feeds, Fachumfelder, E-Mail, Veranstaltungen und redaktionelle Inhalte geplant. Connected TV hatte dagegen lange vor allem die Rolle eines Reichweiten- und Bewegtbildkanals. Die neue Zusammenarbeit von Amazon Ads und LinkedIn verbindet diese Ebenen: Berufliche Zielgruppensignale werden für Streaming-TV-Inventar über Amazon DSP nutzbar.
Amazon Ads und LinkedIn gaben Anfang Mai bekannt, dass Werbetreibende LinkedIn CTV Ads über Amazon DSP buchen können. Die Lösung nutzt LinkedIns First-Party-Zielgruppensignale aus mehr als einer Milliarde Mitgliedern, darunter Jobtitel, Branche und Seniorität. Diese Signale werden über Microsoft Monetize in Streaming-TV-Inventar eingebracht. Der Einkauf läuft deal-basiert.
Für Werbetreibende, die Amazon DSP bereits für Streaming-TV, Display, Online-Video oder Audio nutzen, ergänzt die Integration den Zugang zu LinkedIn-Zielgruppen in CTV-Kampagnen. LinkedIn beschreibt den Schritt als zusätzlichen Weg, CTV-Kampagnen entweder direkt über Campaign Manager oder programmatisch einzukaufen.
Warum Microsoft im Hintergrund steht
Dass Microsoft in der Kooperation auftaucht, ist kein Nebenaspekt. LinkedIn gehört zu Microsoft, und die programmatische Anbindung der LinkedIn CTV Ads läuft über Microsoft Monetize. Dort werden die Zielgruppen als kuratierte Deals bereitgestellt, die anschließend über Amazon DSP buchbar sind.
Der Schritt passt zu einer breiteren Zusammenarbeit von Amazon Ads und Microsoft. Microsoft hatte Amazon DSP im Oktober 2025 als bevorzugten Migrationspartner für Microsoft-Invest-Kunden benannt. Microsoft Monetize ist inzwischen als bevorzugte SSP Teil des Amazon Ads Certified Supply Exchange Program.
Die aktuelle LinkedIn-CTV-Integration zeigt, wie diese Verbindung praktisch genutzt wird: Microsoft Monetize stellt den Zugang bereit, Amazon DSP macht ihn für den Einkauf nutzbar.
Was neu ist und was nicht
Die Kooperation macht LinkedIn CTV Ads nicht erstmals programmatisch verfügbar. Bereits im März hatte LinkedIn angekündigt, CTV Ads über The Trade Desk programmatisch buchbar zu machen, ebenfalls über Microsoft Monetize. Neu ist jetzt der zusätzliche Zugang über Amazon DSP.
Neu ist also nicht der Einstieg von LinkedIn in CTV, sondern ein weiterer Einkaufsweg. Werbetreibende können LinkedIn-Zielgruppen damit nicht nur über LinkedIns Campaign Manager oder The Trade Desk aktivieren, sondern auch über Amazon DSP.
Die Verfügbarkeit bleibt begrenzt. LinkedIn nennt die Funktion als Test, aktuell für The Trade Desk und Amazon DSP, für ausgewählte betreute Konten, US-Zielgruppen und englischsprachige Anzeigen. Zudem gilt eine Mindestzielgruppengröße von einer Million Personen.
Warum die Messung anspruchsvoll bleibt
Die Entwicklung ist vor allem deshalb relevant, weil sie B2B-Targeting und CTV enger zusammenführt. Gleichzeitig bleibt die Messung auf mehrere Systeme verteilt. LinkedIn nennt für CTV Ads via DSP unter anderem Liefermetriken wie Impressions, Reichweite, Frequenz, CPM, CPV und Spend. Zusätzlich verweist LinkedIn auf Brand-Lift-Messung über Kantar. iSpot wird in der LinkedIn-Hilfe nur für The Trade Desk als Reichweitenverifikation genannt, nicht für Amazon DSP.
Damit geht es nicht nur um die Frage, ob eine Zielgruppe erreichbar ist. Kampagnenteams müssen auch klären, welche Kennzahlen sie zur Bewertung nutzen: Auslieferung, Reichweite, Frequenz, Markenwirkung oder spätere Geschäftssignale. Gerade bei CTV ist diese Trennung relevant, weil der Werbekontakt auf dem Fernseher stattfindet, spätere Reaktionen aber häufig auf anderen Geräten oder in anderen Systemen gemessen werden.
Die Branche sucht Standards
Die Meldung von Amazon und LinkedIn fällt in einen Markt, in dem Messung und Transparenz ohnehin zentrale Themen sind. IAB Europe hat Ende April ein CTV Measurement Framework and Transparency Principles zur öffentlichen Kommentierung gestellt. Das Framework soll einheitlichere Metriken, Definitionen, Vergleichbarkeit und Transparenz in CTV fördern. Amazon Ads gehört zu den Unternehmen, die in die Arbeit eingebunden waren.
IAB Europe nennt unter anderem Ad Impressions, Sichtbarkeit, Video Completion Rate, Reichweite, Invalid-Traffic-Filterung, Incrementality, ROAS und Aufmerksamkeit als relevante Mess- und Leistungsmetriken. Im Entwurf wird außerdem betont, dass eine ausgelieferte Anzeige nicht automatisch bedeutet, dass sie auch gesehen wurde.
Für den neuen B2B-CTV-Kontext ist das relevant, weil Zielgruppendaten, Streaming-Inventar und Wirkungsmessung enger zusammenrücken. Fest steht: LinkedIn-Zielgruppensignale werden über Amazon DSP für CTV-Kampagnen in den USA aktivierbar. Offen bleibt, wann und ob vergleichbare Modelle außerhalb der USA verfügbar werden, wie Kampagnenteams Wirkung über verschiedene Messsysteme hinweg bewerten und welche Rolle CTV im B2B-Media-Mix tatsächlich übernimmt.
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