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Datenschutz

Wann ein Data Clean Room den Aufwand wert ist

Data Clean Rooms gelten als datenschutzfreundlicher Weg, um First-Party-Daten gemeinsam auszuwerten, zu matchen oder für Aktivierung und Messung zu nutzen. Ihr Mehrwert entsteht aber erst dann, wenn viele Bausteine zusammenpassen.

Jens Vossvor 19 Tagen

Schattenhafte Person hinter perforierter Glas- oder Metallfläche als Bild für geschützte Datenräume, Kontrolle und eingeschränkte Sichtbarkeit.
Data Clean Rooms schaffen geschützte Räume für den Datenabgleich – und setzen zugleich klare Grenzen für Sichtbarkeit und Auswertung. - Mathias Reding/Unsplash

IAB Tech Lab beschreibt Data Clean Rooms als Mechanismen, mit denen Unternehmen First-Party-Daten unter klaren Grenzen gemeinsam nutzen können. Genannt werden vor allem drei Einsatzfelder: Aktivierung, Insights und Datenanreicherung sowie Optimierung und Messung. Das ist ziemlich breit gedacht. Denn zwischen einer gemeinsamen Analyse, einer datenschutzkonformen Aktivierung und einer belastbaren Wirkungsmessung liegen in der Praxis unterschiedliche Anforderungen an Daten, Partner und technische Infrastruktur.

Laut IAB Europe testen oder nutzen bereits mehr als 50 Prozent der befragten Organisationen in Europa Data Clean Rooms. Mit der Lizenz ist es nicht getan. Der eigentliche Aufwand zeigt sich bei Datenmodell, Verknüpfung und Betrieb. IAB Europe nennt im aktuellen Blueprint drei Fragen, die vor der Auswahl einer Lösung geklärt sein sollten: Wer trägt die Kosten, wie granular müssen die Daten sein und welcher Tech-Stack wird gebraucht? Hinzu kommt ein Problem, das viele Setups bremst: Interoperabilität. Viele Clean Rooms arbeiten auf unterschiedlichen Protokollen und Cloud-Architekturen. Das erschwert die Zusammenarbeit zwischen ihnen.

Wo der Aufwand konkret wird

Auf Plattformebene wird das schnell konkret. Wer mit Google Ads Data Hub arbeiten will, muss eigene Daten in Googles Cloud-Datenumgebung BigQuery bereitstellen oder dort anbinden und sie dann über passende Kennungen mit Google-Daten verknüpfen.

Google weist zudem darauf hin, dass solche Abgleiche je nach Datenbasis, Anwendungsfall und technischem Setup unterschiedlich gut funktionieren können. Auch die Match Rates können niedriger ausfallen als erwartet.

Auch bei Plattformen, die einen einfacheren Einstieg versprechen, verschwindet der Aufwand nicht. Amazon beschreibt Amazon Marketing Cloud (AMC) als datenschutzfreundliche, cloudbasierte Lösung und verweist zugleich auf Agentur- und Technologiepartner, die Leistungen rund um AMC zu unterschiedlichen Preispunkten anbieten. Der Aufwand liegt damit oft nicht nur im Tool selbst, sondern auch in Query-Entwicklung, Analyse, Aktivierung und laufender Betreuung.

Wo Data Clean Rooms echten Mehrwert bringen

Klar ist: Relevant wird ein Data Clean Room dort, wo er über den geschützten Datenabgleich hinaus einen zusätzlichen Erkenntnis- oder Aktivierungsgewinn schafft. Besonders naheliegend ist das bei Analyse und Wirkungsmessung. Google beschreibt Ads Data Hub als Umgebung, in der eigene First-Party-Daten mit Google-Kampagnendaten zusammengeführt werden können, um Zielgruppen besser zu verstehen, Attribution zu schärfen und Kampagnen zu optimieren. Der Mehrwert liegt dann in besseren Antworten auf Fragen zur Customer Journey, zu Zielgruppenüberschneidungen oder zur Wirkung einzelner Kanäle.

Wie so ein Nutzen in der Praxis aussehen kann, zeigt ein aktuelles Amazon-Beispiel. Der Musikinstrumentenhersteller Fender arbeitet nach eigenen Angaben mit Amazon Marketing Cloud daran, die Customer Journey besser zu verstehen und diese Erkenntnisse für künftige Kampagnen zu nutzen. Keith Legro, Vice President of Marketing Americas bei Fender, sagt: „Dadurch erhielten wir ein umfassenderes Bild von unseren Kunden und, was noch wichtiger ist, wie wir sie erreichen können.“

Weniger überzeugend wird der Aufwand dort, wo der Anwendungsfall unscharf bleibt. Wer nur allgemein mehr aus seinen Daten machen will, hat noch keinen tragfähigen Grund für einen Data Clean Room. Sein Wert zeigt sich erst dann, wenn klar ist, welche Daten zusammenkommen, welche Frage beantwortet werden soll und welche Entscheidung dadurch besser wird.

Wo Data Clean Rooms an Grenzen stoßen

Gerade bei Analyse und Messung werden die Grenzen schnell sichtbar. In Google Ads Data Hub werden Ergebnisse aggregiert ausgegeben, Einzeldaten lassen sich nicht direkt einsehen. Google weist zudem darauf hin, dass Privacy Checks einzelne Zeilen oder ganze Ergebnismengen filtern können. Für die meisten Abfragen gilt eine Aggregationsschwelle von 50 Nutzerinnen und Nutzern. Abfragen, die ausschließlich Klicks und Conversions nutzen, können ab 10 Nutzerinnen und Nutzern ausgegeben werden.

Das ist kein Randaspekt, sondern Teil des Modells. IAB Tech Lab spricht in seiner Guidance ausdrücklich von „limitations and guardrails“, also von Grenzen und Leitplanken beim Einsatz von Data Clean Rooms. Der geschützte Rahmen schafft neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Messung, begrenzt aber zugleich, wie tief sich Daten auswerten und wie granular sich Ergebnisse zurückspielen lassen.

Wann ein einfacheres Setup reicht

Ist der Anwendungsfall überschaubar, kann ein schlankeres Setup ausreichen. Das gilt etwa dann, wenn aggregierte Auswertungen, klar umrissene Kampagnenanalysen oder ein begrenzter Datenabgleich bereits genügen. Ein Data Clean Room lohnt sich dort, wo der zusätzliche Aufwand auch einen zusätzlichen Erkenntnis- oder Aktivierungsgewinn bringt.

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