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Zukunft der Arbeit

Gibt es 2030 noch Mediaplaner?

KI macht in der Mediaplanung kurzen Prozess mit Routinen. Killt sie bald ein komplettes Berufsbild? Was uns bis 2030 erwartet und welche Skills dann zählen.

Jens Vossvor 14 Tagen

KI-generiertes Bild eines weißen Roboter-Kopfes, der zur Seite blickt
KI übernimmt die Routine. Wer führt künftig Regie? - Gabriele Malaspina/Unsplash

Wenn dein Job nur aus Tabellen besteht, wird’s jetzt ungemütlich. Willkommen in der neuen Mediaplanung. Der europäische Digitalwerbemarkt hat zuletzt deutlich zugelegt. Laut dem aktuellen IAB Europe AdEx Benchmark stieg der Umsatz 2024 um 16 Prozent auf 118,9 Milliarden Euro. Besonders stark wuchsen Social und Video, inklusive Connected TV.

Auch hierzulande wächst der Markt. Der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) prognostiziert für 2026 aktuell ein Marktvolumen von 8,2 Milliarden Euro im Online-Display- und Online-Videowerbemarkt. Das entspricht einem Plus von 8,7 Prozent gegenüber 2025, nachdem der Markt 2025 bereits um 9,6 Prozent auf über 7,5 Milliarden Euro gewachsen war. Erstmals soll Online-Video mit knapp 4,2 Milliarden Euro und einem Anteil von rund 51 Prozent die umsatzstärkere Gattung sein. Display-Werbung kommt laut Prognose auf rund 4,0 Milliarden Euro und 49 Prozent.

Als wichtigen Treiber nennt der OVK unter anderem Programmatic Advertising: 2025 wurden rund 5,9 Milliarden Euro programmatisch umgesetzt, für 2026 rechnet der OVK mit 6,5 Milliarden Euro und einem Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz.

Klar ist aber auch: Automatisierung durch KI verändert den Job schneller, als es vielen lieb ist. Noch vor kurzem verbrachten Planerinnen und Planer viel Zeit damit, Tabellen zusammenzuführen, Reportings zu bauen und Zielgruppeneinstellungen über mehrere Plattformen zu pflegen. Genau hier greifen zunehmend KI-gestützte Abläufe. Wie schnell das geht, hängt stark von Agentur, Kundschaft und Toollandschaft ab.

KI frisst Routinen

KI übernimmt lästige Routinetätigkeiten. Das ist die gute Nachricht. Dazu passt eine HubSpot-Auswertung von 2025: 79 Prozent der befragten Marketer stimmen zu, dass KI und Automatisierungstools ihnen helfen, weniger Zeit mit manuellen Aufgaben zu verbringen. 73 Prozent sagen, sie könnten dadurch mehr Zeit auf die wichtigsten Teile ihrer Rolle verwenden.

Die freigewordene Zeit lässt sich nutzen, um Vorgaben sauber zu formulieren, Ergebnisse zu prüfen und Strategien zu erklären. Nur: Damit ist der Umbau des Berufs noch nicht vollumfänglich beschrieben. Denn parallel verschiebt sich auch die Logik, nach der Kampagnen bewertet werden.

Werbetreibende verlangen immer öfter Wirkungskennzahlen, die über den klassischen TKP hinausgehen. Händler oder Markenanbieter wollen nicht nur Kontakte sehen, sondern den messbaren Zusatzeffekt, etwa auf Umsatz oder Abverkauf. Das erhöht den Druck, Wirkung belastbar zu belegen und Messlogik nachvollziehbar zu machen.

Data Clean Rooms werden zur Mess-Infrastruktur

Immer häufiger heißt die Lösung: Data Clean Rooms. Sichere, isolierte Cloud-Umgebungen ermöglichen es, Datensätze gemeinsam unter klaren Regeln auszuwerten, ohne Rohdaten offen zu teilen. Dazu passt die Marktentwicklung: In einer aktuellen IAB-Europe-Studie geben mehr als 50 Prozent der befragten Organisationen an, Data Clean Rooms zu testen oder zu nutzen.

Was heißt das für Mediaplanerinnen und Mediaplaner? Der Job verschiebt sich weiter hin zu Datenverständnis, Messlogik und Plattformkompetenz. Nicht jede und jeder muss SQL beherrschen. Wer aber Datenabfragen versteht und Dashboards kritisch lesen kann, hat im Alltag einen Vorteil.

Drei Rollen, die 2030 plausibel sind

Aus dieser Kombination aus Automatisierung und Outcome-Fokus entstehen drei mögliche Jobprofile für 2030. Erstens die „Architektin“, die KI-Vorschläge kuratiert, Datenräume orchestriert und den strategischen Zusammenhang sichert. Sie prüft einen KI-Vorschlag zum Budgetmix, bewertet Annahmen und Risiken und stellt sicher, dass Setup und Messlogik zu Ziel und Kanal passen.

Zweitens der „Consultant“, der Firmen bei Mess- und Datenfragen, Governance und KPI-Setups begleitet. Er hilft, Ziele und Kennzahlen so zu definieren, dass Wirkung später nachvollziehbar nachgewiesen werden kann, und stimmt Regeln und Zuständigkeiten dafür ab.

Drittens die „Self-Serve-Spezialistin“, die Retail-DSPs oder CTV-Plattformen für mittelständische Kunden bedient. Sie setzt Kampagnen in den Plattformen sauber auf, optimiert entlang der vereinbarten Kennzahlen und liefert eine kompakte, verständliche Auswertung für nächste Schritte.

Mediaplaner 2030: Vielleicht gefragter als heute

Das bringt uns zurück zur Kernfrage: Gibt es 2030 noch Mediaplaner? Ja. Aber der Job sieht vermutlich anders aus. Routine verschwindet, Verantwortung wächst. Wer Messlogik versteht, Daten sauber einordnet und Plattformen beherrscht, bleibt nicht nur im Spiel. Wer das kann, ist 2030 nicht gefährdet, sondern vielleicht gefragter als heute.

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