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Google Commerce Media

Wenn Handelsdaten auf YouTube treffen

Google bringt Händlerdaten stärker in YouTube, Discover und Gmail. Neue Demand-Gen-Funktionen und aktuelle Beispiele zeigen, wie Commerce Media über den Shop hinauswächst. Damit verschiebt sich Retail Media stärker in die allgemeine Mediaplanung. Die Bewertung der Wirkung wird dadurch aber nicht einfacher.

Jens Vossvor 1 Tag

Person filmt in einem Geschäft mit dem Smartphone ein Kleidungsstück auf einem Kleiderständer.
Handel, Video und Messung rücken näher zusammen: Google baut Commerce Media in mehreren Werbeprodukten aus. - Mart Production/Pexels

YouTube ist für viele Marken vor allem ein Ort für Reichweite, Aufmerksamkeit und Bewegtbild. Google arbeitet daran, diese Rolle zu erweitern. Mit neuen Funktionen für Demand Gen sollen Händlerdaten künftig stärker in Kampagnen auf YouTube, Discover und Gmail einfließen. Parallel zeigen aktuelle US-Beispiele, wie Handelsdaten, Video-Inventar und Verkaufsmessung näher zusammenrücken.

Im Frühjahr 2026 kündigte Google an, die Commerce Media Suite um Demand Gen in Google Ads zu erweitern. Werbetreibende können demnach First-Party-Katalog- und Conversion-Daten von Retailern nutzen, um kaufinteressierte Zielgruppen über YouTube, Discover und Gmail zu erreichen. Bislang verwies Google in diesem Zusammenhang vor allem auf Unterstützung in Display & Video 360 und Search Ads 360.

Damit rückt Commerce Media, also das Zusammenspiel von Marken, Sellern und Handelspartnern wie Retailern oder Marktplätzen, in ein Umfeld, das viele Werbekundinnen und Werbekunden bereits aus ihrer Kampagnensteuerung kennen. Retailer-Daten werden nicht nur in Handelsumfeldern eingesetzt, sondern auch dort, wo Menschen Videos schauen, Inhalte entdecken oder E-Mails lesen.

Wie Google die Logik bereits erprobt

Wie diese Verbindung aus Händlerdaten, YouTube und Messung aussehen kann, zeigt Google derzeit unter anderem im US-Markt. Dort arbeitet das Unternehmen mit großen Handelsunternehmen zusammen, deren Kaufsignale für Kampagnen in Display & Video 360 nutzbar gemacht werden.

Im März meldete Google eine Zusammenarbeit mit Kroger Precision Marketing. Kroger ist eine der großen Supermarktketten in den USA. Im Mittelpunkt stehen Kaufsignale des Händlers, YouTube-Inventar und ein Reporting auf Produktebene, das den Beitrag von YouTube- und Display-Kampagnen zu Verkäufen bei Kroger sichtbar machen soll.

Kroger beschreibt die Zusammenarbeit als Versuch, Streaming-Video und Handelsmessung enger zu verbinden. Christine Foster, Group VP bei Kroger Precision Marketing, sagt, Marken müssten „Verkaufsleistung im Handel nicht opfern, um Streaming-Video-Kampagnen einzusetzen“. Die Kooperation mit Display & Video 360 zeige, dass „Markenaufbau und Verkaufsleistung in einer Kampagne nebeneinander bestehen können“.

Auch Albertsons Media Collective bringt nach Angaben von Google First-Party-Shopper-Daten in YouTube und weiteres Inventar über Display & Video 360 ein. Albertsons Companies zählt zu den großen Lebensmittel- und Drogeriehändlern in den USA. Die Retail-Media-Einheit nennt als Datenbasis mehr als 50 Millionen Loyalty-Mitglieder und 36 Millionen wöchentliche Shopper. Im Mittelpunkt stehen auch hier Handelsdaten, YouTube-Inventar und ein Reporting auf Produktebene, das Medienkontakte mit Verkäufen verbinden soll.

Die Beispiele gehören nicht direkt zur neuen Demand-Gen-Funktion in Google Ads. Sie zeigen aber, dass Google Commerce Media bereits in anderen Teilen seines Werbeökosystems mit YouTube, Retailer-Daten und Verkaufsmessung verbindet. Die Demand-Gen-Erweiterung knüpft an diese Logik an und bringt sie näher an Google Ads heran.

Wieso die Messung entscheidend wird

Neben der Commerce-Media-Erweiterung verändert Google auch die Optimierung von Demand-Gen-Kampagnen. Werbetreibende können Kampagnen in Google Ads nun auf View-through-Conversions für YouTube optimieren. Gemeint sind Käufe oder andere gewünschte Handlungen, die nach einem Sichtkontakt mit einer Anzeige entstehen, ohne dass vorher ein Klick erfolgt sein muss.

Die Funktion befindet sich laut Google in einer Open Beta, ist derzeit auf YouTube begrenzt und standardmäßig deaktiviert. Wer sie nutzt, bewertet also nicht nur direkte Reaktionen auf eine Anzeige, sondern auch spätere Handlungen nach einem bloßen Sichtkontakt.

Wichtig ist, wie Google diesen Sichtkontakt definiert. Bei Demand Gen zählt eine View bereits dann, wenn mindestens ein Pixel einer Anzeige für irgendeine Zeit auf dem Bildschirm sichtbar war. Eine View-through-Conversion entsteht, wenn Google eine spätere Conversion innerhalb des festgelegten Zeitfensters diesem Sichtkontakt zuordnet. Google nennt als typischen Zeitraum 24 Stunden.

Damit wird YouTube für Commerce-Ziele besser anschlussfähig. Zugleich steigt der Anspruch an die Auswertung. Denn eine Conversion nach Sichtkontakt ist natürlich nicht dasselbe wie eine Conversion nach Klick. Google weist selbst darauf hin, dass VTC-Optimierung nicht in jedem Setup sinnvoll ist, etwa wenn Werbetreibende ausschließlich Klick-Conversions bewerten oder Kampagnen außerhalb von Google Ads auswerten und dort keine View-through-Conversions messen können.

Auch im Reporting braucht es klare Regeln. Nach Aktivierung der VTC-Optimierung können View-through-Conversions in die zentrale Conversion-Spalte einfließen. Zugleich betont Google, dass impressionsbasierte Kennzahlen wie Engaged-View-Conversions und View-through-Conversions derzeit nicht exportiert werden. Dadurch können Abweichungen zwischen Google Ads, Backend-Systemen und Drittanbietern entstehen.

Retail Media: Warum die Branche Standards sucht

Die Messfrage betrifft nicht nur Google. Commerce Media wächst über klassische Händlerumfelder hinaus, zugleich bleiben Kennzahlen zwischen Retailern, Plattformen und Messsystemen schwer vergleichbar. Genau deshalb arbeiten Branchenverbände an gemeinsamen Standards.

IAB Europe hat im Januar 2026 aktualisierte Commerce Media Measurement Standards veröffentlicht. Sie bauen auf den Retail-Media-Standards aus dem Jahr 2024 auf und erweitern den Blick auf Commerce Media insgesamt. Zu den Themen gehören ein klarerer Mess-Funnel, einheitliche Definitionen für Brutto- und Nettoverkäufe, Incrementality sowie Zeitfenster für New-to-Brand und New-to-Category.

Auch IAB und IAB Europe haben Incrementality gesondert aufgegriffen. Ein Leitfaden vom November 2025 beschreibt Methoden, mit denen Werbetreibende den zusätzlichen Geschäftseffekt von Commerce-Media-Investitionen messen können, darunter Experimente, modellbasierte Gegenfaktoren, ökonometrische Modelle und hybride Ansätze.

Für den Google-Kontext ist das relevant, weil View-through-Conversions, SKU-Level-Reporting und Retailer-Daten unterschiedliche Erfolgsperspektiven zusammenführen. Je mehr dieser Signale in Kampagnensteuerung und Reporting einfließen, desto wichtiger werden klare Definitionen: Was wurde wirklich zusätzlich erreicht, was wurde nur anders zugerechnet, und welche Kennzahlen sind über Systeme hinweg vergleichbar?

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