Effizienz durch künstliche Intelligenz
Stellenabbau durch KI: Warum die Rendite-Rechnung nicht aufgeht
Eine aktuelle Gartner-Umfrage zeigt: Viele Unternehmen bauen beim Einsatz autonomer Technologien Personal ab. Höhere Rendite entsteht offenbar aber nicht durch Stellenkürzungen, sondern durch Investitionen in Fähigkeiten, Rollen und Betriebsmodelle.
Jens Vossvor 11 Tagen

Viele Unternehmen versprechen sich durch KI mehr Effizienz. Wenn Software Aufgaben übernimmt, liegt die einfache Rechnung nahe: weniger Personal, geringere Kosten, bessere Rendite. Eine aktuelle Gartner-Umfrage stellt genau diese Logik infrage.
Rund 80 Prozent der befragten Organisationen, die KI-Agenten, intelligente Automatisierung oder andere autonome Technologien pilotieren oder bereits einsetzen, gaben an, Personal abgebaut zu haben. In höhere Rendite übersetzt sich das offenbar nicht automatisch. Auffällig ist: Unternehmen mit höherem ROI hatten laut Gartner ähnlich häufig Personal abgebaut wie Unternehmen mit nur moderaten oder negativen Ergebnissen. Stellenkürzungen allein erklären den Renditeunterschied also nicht.
Für die Umfrage befragte Gartner im dritten Quartal 2025 insgesamt 350 globale Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens einer Milliarde US-Dollar Jahresumsatz. Alle teilnehmenden Organisationen hatten mindestens eine autonome Technologie im Einsatz oder in der Pilotierung.
KI ersetzt keine Strategie
Helen Poitevin, Distinguished VP Analyst bei Gartner, warnt vor einer verkürzten Sicht auf KI-Erträge. Viele CEOs setzten auf Entlassungen, um schnelle KI-Ergebnisse zu zeigen. Diese Haltung sei fehlgeleitet. „Stellenabbau kann Budgetspielraum schaffen, aber er schafft keine Rendite“, sagt Poitevin.
Entscheidend seien laut Gartner Unternehmen, die Menschen nicht aus der Rechnung nehmen, sondern in Fähigkeiten, Rollen und Betriebsmodelle investieren. Mitarbeitende sollen autonome Systeme steuern, überwachen und skalieren können.
Gartner beschreibt diese Entwicklung unter dem Begriff „Autonomous Business“. Darunter versteht das Unternehmen aber keine Organisation, in der Menschen keine Rolle mehr spielen. Vielmehr sollen Maschinen und Menschen mehr Eigenständigkeit erhalten, etwa durch KI-Agenten, intelligente Automatisierung, RPA oder digitale Zwillinge.
Was Unternehmen daraus ableiten können
Für Unternehmen verschiebt sich damit die Aufgabe: Nicht der Abbau von Stellen entscheidet über den Erfolg von KI-Investitionen, sondern der Aufbau neuer Fähigkeiten rund um autonome Systeme. Dazu gehören Rollen, die KI-Anwendungen steuern, prüfen und in bestehende Prozesse einbetten. Stellenabbau lässt sich schnell beziffern. Ob KI dadurch tatsächlich produktiver und belastbarer eingesetzt wird, entscheidet sich erst in der Organisation.
Produktivitätsgewinne durch KI sind damit nicht ausgeschlossen. Eine Studie im Quarterly Journal of Economics fand bei 5.172 Beschäftigten im Kundensupport einen Produktivitätszuwachs von durchschnittlich 15 Prozent durch KI-Unterstützung.
Auch Unternehmensbeispiele zeigen Effizienzbeiträge: IBM schrieb 2025, durch KI und Automatisierung auf Einsparungen von 4,5 Milliarden US-Dollar bis Ende 2025 zuzusteuern. Klarna meldete bereits 2024, dass sein KI-Assistent im ersten Monat zwei Drittel der Kundendienst-Chats übernommen und Arbeit im Umfang von 700 Vollzeitstellen erledigt habe. Der Unterschied zur Gartner-Aussage liegt im Hebel: Diese Beispiele zeigen Produktivität durch veränderte Arbeit oder Automatisierung, aber nicht automatisch Rendite durch Stellenabbau.
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